Genauigkeit von Koordinatenmessmaschinen nach ISO 10360

Verständlich erklärt: MPEE, MPEP, Scanning und Antastabweichungen bei Messmaschinen
ISO 10360 verständlich erklärt Praxisbeispiele & Berechnungen THOME Messtechnik-Experten Maschinenvergleich & Kaufberatung


ISO 10360 kurz erklärt

Was bedeutet ISO 10360 bei Koordinatenmessmaschinen?

Die Normenreihe ISO 10360 definiert einheitliche Prüfverfahren, mit denen die Genauigkeit und Leistungsfähigkeit von Koordinatenmessmaschinen ermittelt wird.

Durch standardisierte Messungen können unterschiedliche Koordinatenmessgeräte objektiv miteinander verglichen werden. Die ermittelten Genauigkeitswerte zeigen, welche maximalen Messabweichungen unter festgelegten Bedingungen auftreten dürfen.

Zu den wichtigsten Kennwerten gehören die Längenmessabweichung MPEE, die Antastabweichung MPEP sowie Kennwerte für taktiles Scanning und Mehrfachtastersysteme.

Einheitlich und vergleichbar

Die ISO 10360 schafft eine verlässliche Grundlage für Maschinenabnahmen, Genauigkeitsvergleiche und die Auswahl einer geeigneten Koordinatenmessmaschine.

Die Norm beantwortet drei zentrale Fragen

Was wird nach ISO 10360 geprüft?

01

Wie genau misst die Maschine?

Die Längenmessabweichung zeigt, wie stark ein gemessener Wert vom tatsächlichen Maß abweichen darf.

02

Wie präzise arbeitet das Tastsystem?

Die Antastabweichung beschreibt die Genauigkeit, mit der einzelne Messpunkte aufgenommen werden.

03

Ist die Leistung reproduzierbar?

Standardisierte Prüfbedingungen ermöglichen einen objektiven Vergleich verschiedener Messmaschinen.

Vorteile der ISO 10360

Warum ist die ISO-Genauigkeit für Koordinatenmessmaschinen wichtig?

Die ISO 10360 schafft weltweit einheitliche Prüfbedingungen für Koordinatenmessmaschinen. Dadurch können Genauigkeiten objektiv bewertet, Maschinen verglichen und Messergebnisse zuverlässig beurteilt werden.

Objektive Vergleichbarkeit

Messmaschinen verschiedener Hersteller können anhand identischer Prüfverfahren direkt miteinander verglichen werden.

Höhere Messsicherheit

Standardisierte Genauigkeitsprüfungen schaffen Vertrauen in Messergebnisse und reduzieren Fehlentscheidungen.

Sichere Maschinenabnahme

Die Einhaltung der ISO 10360 dient als Nachweis der Maschinenleistung bei Abnahme und Kalibrierung.

Investitionssicherheit

Einheitliche Kennwerte erleichtern die Auswahl der passenden Koordinatenmessmaschine für Ihre Anwendung.

ISO-Kennwerte erklärt

Die wichtigsten Genauigkeitskennwerte nach ISO 10360

Die ISO 10360 definiert verschiedene Kennwerte zur Bewertung von Koordinatenmessmaschinen. Sie zeigen, wie genau eine Messmaschine Längen, einzelne Messpunkte, gescannte Konturen und Messungen mit unterschiedlichen Tasterstellungen erfassen kann.

MPEE
ISO 10360-2

Längenmessabweichung

Die Längenmessabweichung beschreibt, wie stark ein von der Koordinatenmessmaschine ermitteltes Längenmaß vom tatsächlichen Referenzmaß abweichen darf.

Was wird geprüft?

Kalibrierte Längen werden in unterschiedlichen Positionen und Raumrichtungen innerhalb des Messvolumens gemessen.

Was sagt der Wert aus?

Je niedriger der MPEE-Wert ist, desto genauer kann die Maschine Abstände, Durchmesser und weitere Längenmerkmale bestimmen.

Praxisbezug: Besonders wichtig für Maßprüfungen, Bohrungsabstände, Werkstücklängen und geometrische Abmessungen.
MPEP
ISO 10360-5

Antastabweichung

Die Antastabweichung bewertet die Genauigkeit des Tastsystems bei der Aufnahme einzelner Messpunkte an einem Werkstück.

Was wird geprüft?

Eine kalibrierte Prüfkugel wird aus verschiedenen Richtungen mit mehreren Einzelpunkten angetastet.

Was sagt der Wert aus?

Der Kennwert zeigt, wie präzise das Tastsystem einzelne Oberflächenpunkte erfassen und daraus Geometrien berechnen kann.

Praxisbezug: Entscheidend für die Messung von Kreisen, Ebenen, Zylindern und komplexen geometrischen Elementen.
MPETHP
ISO 10360-4

Scanning-Antastabweichung

Die Scanning-Antastabweichung beschreibt die Genauigkeit bei der kontinuierlichen Erfassung einer Oberfläche mit einem messenden Tastsystem.

Was wird geprüft?

Eine kalibrierte Prüfkugel wird entlang festgelegter Messbahnen kontinuierlich abgescannt.

Was sagt der Wert aus?

Der Wert zeigt, wie zuverlässig Konturen und viele Messpunkte in kurzer Zeit aufgenommen werden können.

Praxisbezug: Relevant für Formprüfungen, Profile, Freiformflächen und automatisierte Serienmessungen.
MF / MS / ML
ISO 10360-5

Mehrfachtaster-Abweichung

Diese Kennwerte bewerten die Genauigkeit bei Messungen mit unterschiedlichen Tastern, Tasterlängen oder räumlichen Tasterstellungen.

Was wird geprüft?

Eine Prüfkugel wird mit verschiedenen Tastern oder Tasterstellungen aus mehreren Richtungen gemessen.

Was sagt der Wert aus?

Der Kennwert zeigt, wie genau Messergebnisse bei Tasterwechseln und unterschiedlichen Antastpositionen zusammengeführt werden.

Praxisbezug: Wichtig für komplexe Bauteile, schwer zugängliche Merkmale und automatisierte Messabläufe mit Tasterwechsel.
Praxisbeispiel

Wie wird die Genauigkeitsangabe einer Koordinatenmessmaschine berechnet?

Genauigkeitsangaben wie MPEE = 3 + L/250 µm bestehen aus einem festen Grundwert und einem von der Messlänge abhängigen Anteil. Das folgende Beispiel zeigt, wie die maximal zulässige Längenmessabweichung berechnet wird.

Genauigkeitsangabe
MPEE = 3 + L/250 µm

Dabei steht L für die gemessene Länge in Millimetern.

01
Angenommene Messlänge L = 500 mm
02
Messlänge einsetzen 3 + 500/250 µm
03
Ergebnis berechnen 3 + 2 = 5 µm
Maximale Längenmessabweichung
± 5 µm

Bei einer Messlänge von 500 mm darf die Abweichung unter den festgelegten Prüfbedingungen maximal 5 µm betragen.

Das entspricht ± 0,005 mm

Je größer die gemessene Länge ist, desto größer wird der längenabhängige Anteil der zulässigen Messabweichung.

Weitere Beispielwerte

Zulässige Abweichung bei verschiedenen Messlängen

Messlänge 250 mm max. ± 4 µm
Messlänge 500 mm max. ± 5 µm
Messlänge 1.000 mm max. ± 7 µm
Messlänge 1.500 mm max. ± 9 µm
Entscheidungshilfe

Welche Koordinatenmessmaschine passt zu Ihren Genauigkeitsanforderungen?

Die passende Messmaschine richtet sich nach der kleinsten Bauteiltoleranz, der Werkstückgröße, der Messaufgabe und dem gewünschten Automatisierungsgrad. Die folgende Übersicht hilft Ihnen bei der ersten Auswahl.

Manuelle Messmaschine
THOME

SMART

Für flexible Prüfaufgaben, Einzelteile und kleinere Serien mit wechselnden Messanforderungen.

Empfohlen für Flexible Einzelteilprüfung
  • Manuelle und intuitive Bedienung
  • Ideal für häufig wechselnde Werkstücke
  • Verschiedene Tastsysteme verfügbar
  • Messsoftware THOMControl
Typische Anwendungen

Wareneingangsprüfung, Einzelteile, Werkzeugbau und allgemeine Qualitätssicherung.

SMART kennenlernen
Für große Bauteile
THOME

TETA

Für anspruchsvolle Messaufgaben, Präzisionsbauteile und besonders enge Form- und Lagetoleranzen.

Empfohlen für Große Bauteile
  • Für hohe Genauigkeit beo großen Werkstücken
  • Präzise 3D-Messungen
  • Geeignet für komplexe Geometrien
  • Individuell konfigurierbar
Typische Anwendungen

Präzisionsbauteile, enge Form- und Lagetoleranzen, Freiformflächen und anspruchsvolle Prüfaufgaben.

TETA kennenlernen

Welche Genauigkeit erfordert Ihre Messaufgabe?

Senden Sie uns Ihre Bauteilzeichnung oder nennen Sie uns die kleinste relevante Toleranz. Wir unterstützen Sie bei der Auswahl der passenden Koordinatenmessmaschine und des geeigneten Tastsystems.

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Messbedingungen

Welche Faktoren beeinflussen die Genauigkeit einer Koordinatenmessmaschine?

Die in den technischen Daten angegebene Messgenauigkeit wird unter definierten Prüfbedingungen ermittelt. Im praktischen Einsatz können Temperatur, Schwingungen, Tastsystem, Werkstückaufspannung und weitere Einflüsse das Messergebnis verändern.

Besonders wichtiger Einflussfaktor

Temperatur und thermische Ausdehnung

Werkstücke, Messmaschine und Maßverkörperungen verändern ihre Abmessungen bei Temperaturschwankungen. Bereits geringe Temperaturunterschiede können bei großen Werkstücken messbare Längenänderungen verursachen.

Referenztemperatur in der Längenmesstechnik 20 °C

Für zuverlässige Messergebnisse sollten Messmaschine, Werkstück und Umgebung möglichst temperaturstabil sein. Eine Temperaturkompensation kann verbleibende Abweichungen zusätzlich berücksichtigen.

Schwingungen

Maschinen, Stapler oder Produktionsanlagen können Schwingungen auf die Koordinatenmessmaschine übertragen und die Punktaufnahme beeinflussen.

Stabile Aufstellung und Schwingungsdämpfung

Tastsystem

Tastertyp, Tastkugeldurchmesser, Tasterlänge und Antastkraft wirken sich auf die Genauigkeit und Zugänglichkeit der Messung aus.

Tastsystem passend zur Messaufgabe wählen

Werkstückaufspannung

Eine ungeeignete oder zu starke Spannung kann das Werkstück verformen und dadurch das Messergebnis verfälschen.

Spannungsarm und reproduzierbar aufspannen

Sauberkeit

Staub, Öl, Späne oder Verschmutzungen auf Werkstück, Tastkugel und Auflageflächen können zusätzliche Messabweichungen verursachen.

Bauteil und Messsystem vor der Messung reinigen

Bedienung und Messstrategie

Anzahl und Verteilung der Messpunkte, Ausrichtung, Bezugsbildung und Auswertung beeinflussen die Aussagekraft der Messergebnisse.

Einheitliche Messprogramme und Strategien einsetzen

Kalibrierung und Wartung

Regelmäßige Kalibrierung, Überprüfung und Wartung stellen sicher, dass die spezifizierte Maschinenleistung langfristig erhalten bleibt.

Prüfintervalle konsequent einhalten
Für zuverlässige Messergebnisse

Alle Einflussfaktoren müssen zusammen betrachtet werden

01
Messumgebung stabilisieren

Temperatur und Schwingungen kontrollieren.

02
Werkstück vorbereiten

Reinigen, temperieren und sicher aufspannen.

03
Messstrategie festlegen

Tastsystem und Messpunkte passend auswählen.

04
Ergebnisse absichern

Messabläufe prüfen und regelmäßig kalibrieren.




Häufige Fragen zur ISO 10360 und zur Genauigkeit von Koordinatenmessmaschinen

Erfahren Sie alles Wissenswerte über die ISO 10360, die Genauigkeit von Koordinatenmessmaschinen, MPEE, MPEP, Messunsicherheit und die wichtigsten Einflussfaktoren auf präzise Messergebnisse.

Die ISO 10360 ist die internationale Norm zur Prüfung der Genauigkeit von Koordinatenmessmaschinen. Sie definiert standardisierte Prüfverfahren und Kennwerte wie MPEE und MPEP, sodass die Leistungsfähigkeit verschiedener Messmaschinen objektiv verglichen werden kann.

Die Längenmessabweichung (MPEE) beschreibt die maximal zulässige Abweichung einer gemessenen Länge gegenüber dem tatsächlichen Referenzmaß. Sie ist einer der wichtigsten Genauigkeitskennwerte einer Koordinatenmessmaschine und wird nach ISO 10360-2 geprüft.

Die Antastabweichung (MPEP) bewertet die Genauigkeit des Tastsystems bei der Aufnahme einzelner Messpunkte. Sie gibt an, wie präzise Geometrien wie Kreise, Ebenen oder Zylinder erfasst werden können und ist insbesondere für die Bewertung des Tastsystems entscheidend.

Viele Koordinatenmessmaschinen verwenden Genauigkeitsangaben wie MPEE = 2,5 + L/300 µm. Dabei steht L für die gemessene Länge. Mit zunehmender Messstrecke steigt der längenabhängige Anteil der zulässigen Messabweichung. Dadurch lässt sich die Genauigkeit über den gesamten Messbereich realistisch bewerten.

Neben der Maschinenkonstruktion beeinflussen unter anderem Temperatur, Schwingungen, Werkstückaufspannung, Tastsystem, Messstrategie und Kalibrierung die erreichbare Messgenauigkeit. Optimale Umgebungsbedingungen sind entscheidend für reproduzierbare Messergebnisse.

In vielen Fällen können vorhandene Messprogramme übernommen oder mit überschaubarem Aufwand angepasst werden. Welche Möglichkeiten bestehen, prüfen wir individuell anhand Ihrer bestehenden Software und Messstrategie.

Die erforderliche Genauigkeit richtet sich nach der kleinsten Bauteiltoleranz. Als Faustregel sollte die Messunsicherheit deutlich kleiner sein als die zulässige Werkstücktoleranz. Gerne unterstützen wir Sie bei der Auswahl der passenden Koordinatenmessmaschine für Ihre Messaufgabe.

THOME Präzision bietet unterschiedliche Koordinatenmessmaschinen für verschiedene Einsatzbereiche. Die SMART eignet sich für flexible Einzelteilprüfungen, die RAPID-Plus für automatisierte Serienmessungen und die TETA für besonders anspruchsvolle Präzisionsmessungen mit höchsten Genauigkeitsanforderungen.

Die Genauigkeit wird mit kalibrierten Prüfkörpern wie Maßverkörperungen oder Prüfkugeln nach den Vorgaben der ISO 10360 überprüft. Dabei werden unter anderem Längenmessabweichung, Antastabweichung und weitere Genauigkeitskennwerte unter definierten Bedingungen ermittelt.

Da alle Hersteller ihre Messmaschinen nach denselben Prüfverfahren bewerten, ermöglicht die ISO 10360 einen objektiven Vergleich der Genauigkeit verschiedener Koordinatenmessmaschinen. Dadurch erhalten Anwender eine verlässliche Grundlage für die Auswahl einer geeigneten Messmaschine.




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